Freitag, 6. Juli 2007

Ironman Frankfurt

Der Wettkampf

Ursprünglich wollte ich ja eher am rechten Rand starten. Da ich zu annähernd 100% nach links atme, wäre es einfacher gewesen, das Feld auf dem Weg zur ersten Boje zu beobachten. Wäre … denn beim Einschwimmen fällt mir auf, dass eine riesen Meute Pinguine mit grünen Kappen am rechten Ufer steht und offenbar von dort einen Landstart machen will. Also starte ich doch hinter den Pros. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich nachträglich zeigen sollte.

Der Startschuss ist seltsam unspektakulär. Es gibt eine kurze Einspielung der Nationalhymne und dann ein eher leises Peng. Mehr nicht.

Schwimmen

Egal, jetzt zählt nur eines, hartes Anschwimmen. Bis zur ersten Boje ist das Tempo extrem schnell, aber die Gruppe schwimmt halbwegs diszipliniert, d.h. ohne große Prügelei. Nach der Boje nehme ich Tempo raus und konzentriere mich auch lange gleichmäßige Züge. Und glücklicherweise habe ich auch hier das richtige Tempogefühl, denn auch die Gruppe um mich herum wird etwas ruhiger. Jetzt kommt der eher langweilige Teil, denn der Weg zur 2. Boje ist endlos. Danach wird es angenehmer, denn endlich bilden sich vernünftige Züge. Alle Athleten haben sich in 3 Perlenschnüre eingereiht. Und so kommen der Landgang, die letzte Boje und schließlich der Schwimmausstieg. Endlich raus aus dem Wasser, denke ich und bin gespannt auf meine Zeit. Ich habe wirklich überhaupt keine Ahnung wo ich liege. Es hat sich sehr gut angefühlt. Nicht langsam, aber mit einigen Reserven für die weiteren Disziplinen. Brille hoch und ein Blick auf die Uhr … wow, irgendwas mit 57 Minuten. Sehr geil, neue Bestzeit. Blick zurück nach vorne und noch mal wow da stehen ja meine Fans oder sollte ich lieber Betreuer sagen. Ich winke kurz und dann geht es den Hügel hoch in die Wechselzone.

Radfahren

Am Rad angekommen stelle ich fest, dass es deutlich wärmer ist als erwartet. Kurzerhand entscheide ich mich, dass Trikot liegen zu lassen; Armlinge reichen aus. Auf dem Rad versuche ich betont ruhig anzufahren und werde auch prompt von einigen Fahrern überholt. Es fühlt sich locker an und trotzdem pendelt sich die Uhr bei 39-40 km/h ein. Dann kommt in Bergen-Enkheim der erste Anstieg: the Beast. Hier zeigt sich, dass ich wirklich super Beine habe. Ich sammle einen Fahrer nach dem anderen ein. Nach ca 50km überhole ich Nicole Leder. Wie ich später feststelle habe ich ihr bereits 6 Minuten abgenommen. Leider ist dass das letzte Positive an diesem Tag. Bei km58,9 macht es unvermittelt Peng und mein Hinterrad ist platt. Ein kapitaler Reifenplatzer.

Keine Ahnung was passiert ist. Bereits beim abbremsen, hole ich tief Luft und verdränge eine Mischung aus Entsetzen, Wut und Enttäuschung. Es hilft auch nicht weiter, jetzt muss ich zügig den Schlauch wechseln. Raus mit dem Hinterrad, runter mit dem Mantel. Ein kurzer Check. Nein nichts steckt im Mantel. Also fummel’ ich den neuen Schlauch rein. Ein Zuschauer kommt mir mit einer altersschwachen Standpumpe zu Hilfe. Die ist aber restlos undicht, also schieße ich eine CO2-Patrone in den Schlauch und so geht es nach ca 4 Minuten weiter.

Die ersten Kilometer nutze ich zum Rechnen. Aber die 4 Minuten liegen noch absolut im Rahmen. Im Gegenteil, ich bin immer noch vor dem Zeitplan. Also fahre ich zügig, aber kontrolliert weiter. Vor mir ist es ziemlich ruhig. Ich habe gerade mal 2 oder 3 Fahrer in Sichtweite, als es den kurzen Anstieg hoch zur Burgmeile in Friedberg geht. Oben angekommen höre ich den Sprecher etwas von "jetzt kommt der Pulk" sagen. Was??? Denke ich noch und werde prompt von einem Peloton überrollt. Unglaublich 40-50 Mann in bester Tour-de-France-Manier.

Anfangs lasse ich mich brav zurückfallen und rolle hinter der Gruppe her. Es ist echt unglaublich. Ein Kampfrichter ist da und sieht nur zu. Dann kommt ein weiteres Motorrad dazu und versucht die Gruppe einzubremsen, so dass jeder wieder einzeln fährt. Hilft aber alles nichts und ich muss zugeben, selbst mit ordentlichem Abstand hinter der Gruppe spürt man noch einen sehr angenehmen Sog. Ohne große Anstrengung rolle ich mit 40km/h dahin. 5km vor Bad Vilbel wird es mir dann doch zu unruhig und ich fahre an der Gruppe vorbei nach vorne. Mir ist klar, dass ich den Pulk nicht abhängen kann, aber die anstehenden Kreisverkehre und den Heartbreak Hill will ich doch lieber von vorne fahren. Gesagt getan.

Am Ende der Verpflegungszone am oberen Ende des Heartbreak Hill steht Julia und hat alles parat. Die Verpflegungszonen sind aber vorbildlich. Ich brauche nichts von Julia. Außer! Ja außer einer Ersatz-CO2-Patrone. Also rufe ich ihr kurz zu, dass ich bereits einen Platten hatte und dass sie die Patrone fertig machen soll. Dann werfe ich noch meine Armlinge weg und nehme wieder Tempo auf.

Dummerweise hat Julia wohl gedacht, dass ich die Patrone sofort brauche und kommt kurzzeitig etwas in Panik. Letztlich hat sie aber verstanden, dass ich die Patrone bei der nächsten Verpflegung in Bergen-Enkheim brauche.

In der Abfahrt kommt es wie es kommen muss. Der Zug rollt über mich drüber und ich befinde mich wieder hinter dem Pulk. Was soll’s denke ich mir. Versuch’ sauber zu fahren und nutze trotzdem den Pulk für deine Zwecke.

Das funktioniert ca. 5-6km. Dann geht es in den Theatertunnel; eine relative steile Abfahrt durch eine Senke mit steilem Ausgang. D.h. mit hohem Tempo vom hellen Licht in den dunklen Tunnel. Die Sonnenbrille tut ihr übriges, dass ich ein Schlagloch übersehe und … ja schon wieder ein plattes Hinterrad habe. Das Gefühl der Machtlosigkeit zieht einem wirklich den letzten Zahn. Aber was soll ich machen? Also aufs Neue, Schlauchwechseln ist angesagt. Einen habe ich ja noch.

Keine Ahnung, ob der Schlauch schon defekt war oder ich ihn im Halbdunkel des Tunnels und der Hektik eingeklemmt habe, jedenfalls kommt es wie es kommen musste. Beim Aufpumpen platzt auch mein zweiter und letzter Reserveschlauch.

Das war’s dann also? Naja dann mache ich mich mal auf den Weg zur Wechselzone. Ich ziehe die Schuhe aus, klicke sie in die Pedale und mache mich Barfuss auf den Weg zum Ziel. Aber schon nach 2-3 Metern kommt der Wille zurück. „Scheiß auf die Quali, du kommst ins Ziel, egal wie“ denke ich mir. Hmmm nur wie ohne Hinterrad? Nach einer Weile kommt mir dann die Erleuchtung: die Triathlon-Messe! Also lege ich die ca. 2km Stecke zum Teil gehend zum Teil joggend zurück. Im Zielbereich angekommen, schnappe ich mein Rad und laufe zum erstbesten Stand. „Jungs ich brauche einen Schlauch“. Was Besseres fällt mir nicht ein. Bekomme aber was Besseres, nämlich echten Service :-) „Lass mal, das machen wir schon“ kommt gelassen zurück. Ich darf mich also etwas ausruhen während die 2 Mechaniker mein Hinterrad flicken. OK, der erste Schlauch hat nur ein kurzes Ventil. Sie brauchen also auch 2 Versuche. Aber mit einer Standpumpe kriegt man wenigstens vernünftig Druck auf das Rad.

Inzwischen sind geschlagene 25 Minuten seit dem Reifendurchschlag vergangen. Jetzt geht es endlich wieder zurück auf die Strecke. Von den Zuschauern bekomme ich noch eine Laola mit auf den Weg und dann geht’s ab durch die Mitte. Inzwischen bin ich soweit hinten im Feld, dass ich eigentlich nur noch auf der Überholspur fahre.

Von der zweiten Runde gibt es eigentlich – oder sollte ich besser sagen glücklicherweise – nicht viel zu erzählen. Nach endlosen 5:22:29 steige ich endlich vom Rad.

Laufen

Meine Motivation ist eher mäßig. Ich überlege mir trotzdem, dass ich mit einem 3:20 Marathon noch eine 9:45 schaffen würde. Das hatte die letzten Jahre immer für eine Quali gereicht. Sollte das wirklich noch möglich sein? Egal, ich versuche es und laufe entsprechend zügig an. 48:28 für die erste Runde sind absolut im Rahmen, allerdings zeigt bereits die zweite Runde, dass ich doch ganz schön viel Körner beim Radfahren hab lassen müssen. 51:12 zeigen schon einen deutlichen Trend der dann in der dritten Runde voll durchschlägt. Ab Mitte der dritten Runde fehlt mir einfach die Motivation mich weiter zu schinden. Wofür? Die Quali ist weg und ins Ziel komme ich so oder so. Ein paar Minuten mehr oder weniger machen es nicht aus. Ich nehme mir dann auch in der Mitte der 3. Runde kurz Zeit um bei Julia anzuhalten und ihr wenigstens kurz von meinem ganzen Übel zu berichten.

Nach 3:32:42 ist dann auch der Marathon geschafft und mit einer 9:57:12 beleibe ich immerhin noch sauber unter 10 Stunden.

Ein kurzes Fazit

Die angepeilte Hawaii-Quali ist es nicht geworden. Dazu fehlen ca. 30 Minuten. Ohne Plattfuss hätte es mit großer Sicherheit gereicht. Aber das Material gehört nun mal auch zum Sport dazu. Aber aufhören kann ich mit so einem Wettkampf nicht.


... Bilder kommen noch ...

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